Freitag, Juni 02, 2017

Grindr von den Chinesen übernommen!

Grindr, eine der beliebtesten Gay Dating-Apps („Gay chat, meet & date“) wurde komplett von einem chinesischen Spiele-Entwickler übernommen. Müssen schwule Männer jetzt Angst vor Zensur und Spionage haben?

Bereits im Januar 2016 hatte das auf Mobile-Spiele spezialisierte Unternehmen Beijing Kunlun Tech (bekannt für Clash of Clans und die Mitentwicklung des Opera-Browsers) sich für 93 Millionen US-Dollar (rund 83 Millionen Euro) 61,5 Prozent an Grindr gesichert. 

Nun hat der Spiele-Entwickler die restlichen 38,5 Prozent für weitere 152 Millionen US-Dollar (circa 135 Millionen Euro) aufgekauft.

Grindr-User haben Angst vor Zensur und Spionage

Der Erfinder von Grindr, Joel Simkhai, hatte von Anfang an die User der App beruhigt, es werde nach der Übernahme keine einschneidenden Änderungen bei der Gay Dating-App geben. Er freute sich über den Verkauf von Grindr und sagte:
Grindr kann seinen Dienst durch den Verkauf ausbauen und weiter sicherstellen, dass Grindr die Nummer 1 Gay Dating-App und Marke für Millionen User bleibt. 
Trotzdem befürchten Aktivisten nun Zensur und Spionage durch die Totalübernahme durch Beijing Kunlun Tech. Das Unternehmen hatte den ersten Kauf nämlich als „strategische Investition“ bezeichnet.

Hinzu kommt, dass Grindr in China nicht überall funktioniert. In bestimmten Regionen Chinas läuft die Gay Dating-App nämlich nicht, weil Gesetze die Meinungsfreiheit einschränken und andere Gesetze Pornographie verbieten. Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender werden zudem immer noch stark diskriminiert in China.

Sind meine Daten bei Grindr noch sicher?

Seit der Gesamtübernahme Grindrs wird auch die Datensicherheit der App angezweifelt. Es gibt immer wieder Gerüchte, die chinesische Regierung würde „Datenspionage im großen Stil betreiben“, wie das Online-Magazin ggg.at im Januar 2016 berichtete.

Das wäre für nicht-geoutete Personen des öffentlichen Lebens natürlich der Super-GAU. Denn in Ägypten wurde Grindr schon genutzt um schwule Männer ausfindig zu machen und anschließend zu verhaften.

In der Türkei, in Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Grindr komplett verboten und kann von Usern nicht genutzt werden.


Grindr in der Kritik: Verbrechen, Fakes und Stalker

Grindr ist aber nicht nur durch die Übernahme des chinesischen Spiele-Entwicklers in die Kritik geraten. In den USA und Europa beschweren sich User immer wieder, dass die Gay Dating-App zu wenig gegen Fakes und Stalker unternehme. Ein Beispiel hierfür ist der New Yorker Matthew Herrick, in dessen Namen ein Unbekannter mehr als 700 falsche Grindr-Dates ausmachte. 

Als Grindr auf Herricks Hilferufe nicht reagierte, verklagte dieser die Macher der Dating-App wegen irreführender Geschäftspraktiken, Fahrlässigkeit, vorsätzlicher Zuführung emotionaler Schmerzen sowie falscher Werbung. Grindr äußerste sich zu dem Fall nicht. 

In den USA ist es nämlich so, dass Internet-Dienste grundsätzlich nicht für die Inhalte verantwortlich sind, die User produzieren. Die Zahl der auf bzw. über Grindr verübten Verbrechen hat sich seit 2014 versiebenfacht. So gelang es 2015 einer Bande Krimineller in Großbritannien immer wieder Männer auszurauben, die ein vermeintliches Date über Grindr verabredet hatten.


Grindr trotzdem beliebteste Gay Dating-App

Trotz aller Kritiken an Fake-Profilen und Zensur- oder Spionage-Szenarien, gilt Grindr immer noch als eine der beliebtesten und größten Dating-Apps für Schwule auf der Welt.

In China direkt ist allerdings die 2013 ins Leben gerufene Gay Dating-App Blued Marktführer. Kein Wunder, so hat Blued im Gegensatz zu Grindr wenigstens regimekonforme AGB.