Mittwoch, Juni 08, 2016

Polizei durchsucht Firmenzentrale von LOVOO

Online Dating News, Köln – Heute Morgen wurde das Bürogebäude von LOVOO in Dresden von Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) gestürmt. Bereits vor einigen Monaten geriet LOVOO in die Schlagzeilen. 

Damals durch den Vorwurf, gezielt Fake-Profile anzulegen, um Mitglieder zu kostenpflichtigen Aktionen zu verführen.

Bislang bestritten beide Geschäftsführer Benjamin und Björn Bak alle Vorwürfe. Laut Medienberichten wurden beide von der Polizei in U-Haft genommen.

Als langjährige Beobachter und Begleiter des Online Dating-Markts haben wir uns Gedanken zu der Stürmung gemacht:

Wie ist dieser Betrugsvorwurf einzuschätzen und was wird wohl passieren?

Die meisten Anbieter, die mit Fake-Profilen und Animation arbeiten, schreiben das ausdrücklich in die AGB - bis hin zu Sätzen wie "Den Männern sollte klar sein, dass es bei uns keine einzige echte Frau gibt, die man kennenlernen könnte." So wie wir das einschätzen, sind sie damit strafrechtlich aus dem Schneider. Der einzelne Kunde könnte sich aber wohl jederzeit sein Geld zurückholen, denn die AGB widersprechen klar dem Versprechen auf der Startseite "Jetzt heiße Tussis aus Deiner Nähe treffen" - Stichwort "Überraschungsklausel".

LOVOO hingegen hat die Kunden unseres Wissens hingegen nicht darauf hingewiesen, dass mit Fakes gearbeit wird. Und damit ist es dann wohl ein klassischer Betrug. Kommen die Gründer nun ins Gefängnis? Glauben wir eher nicht. Erstens haben die beiden wohl keine kriminelle Vorgeschichte und zweitens ist LOVOO keine reine Betrugsorganisation, sondern eine prima Datingplattform, bei der das mit den Fakes lediglich als zusätzlicher Turbo dienen sollte. Macht dann in Summe vielleicht sowas wie "2 Jahre auf Bewährung".

War es nötig, die Geschäftsführer zu verhaften? 

Kommen die nun in Untersuchungshaft bis zum Prozess? Also auch das muss man relativieren: Erstens wurden die Fake-Module nach den ct-Berichten aus dem vergangenen Jahr wieder deaktiviert und zweitens haben die beiden ja sowas wie ein normales Leben in ihrer Stadt, so dass es keine große Fluchtgefahr gibt - auch deshalb, weil das Strafmaß nicht dramatisch sein wird.

Fraglich ist allerdings der finanzielle Aspekt: Wie hoch ist denn die Betrugssumme?

Hat Karl-Otto in der LOVOO-App 1,99 Euro bezahlt, weil er eine echte Petra treffen wollte oder weil ihn eine Fake-Ursula lockte? Das wird man nur sehr schwer ausrechnen können. Wir schätzen mal ganz grob: 10 Millionen Euro.

Die müssten die Brüder natürlich zurückbezahlen. An wen auch immer. Jedenfalls werden sie das Geld nicht behalten dürfen. Frage: Liegt das Geld irgendwo auf einem Konto herum? Dann könnte man es ja ersteinmal einbehalten. Wurde es vielleicht schon reinvestiert, z.B. in die Eroberung des US-Marktes? Dann könnte es die beiden in die Insolvenz treiben, sofern sie nicht anderweitig die Millionen auftreiben (z.B. durch den Verkauf von LOVOO oder privater Immobilien).

Tja, das war reine wilde Spekulation - mal schauen, wie die Sache weitergeht.

Ein ähnlicher Fall war die große SMS-Flirt-Nummer aus Flensburg um das Jahr 2008 herum. Dort rückte auch die Staatsanwaltschaft an und nahm den Laden hoch, denn es ging um mehrere 10 Millionen Euro. Bis heute gibt es aber keine Verurteilung wegen Betruges - nur die nebenbei aufgedeckte Steuerhinterziehung trieb die SMS-Flirt-Bude in den Ruin.