Mittwoch, März 04, 2015

Tinder Plus: Wie man die Wischer ans Zahlen bringt. Oder bringen will…

Bild: singleboersen-vergleich.de
Online Dating News, Köln ---- Aus der Froschperspektive betrachtet könnte man sagen: Was für ein schönes Musterbeispiel sie doch bietet, die Tinder App! Und zwar eines, das uns ein paar schlaue Dinge lehrt. Etwa über den 'American way of moneymaking with dating apps'. 

Das Prinzip ist simpel und prinzipiell auch durchaus erfolgsversprechend: Wir werfen eine coole Dating App erstmal als Gratisangebot auf den Markt, warten, bis sie richtig durch die Decke knallt und bitten dann die mittlerweile zu Tinder-Junks gereiften Power-Dater zur Kasse.

So weit, so gut. Zumindest von den Rahmenbedingungen hätten die Macher der Tinder Flirt App die allerbesten Chancen, ihr Monetarisierungsmodell erfolgreich in die Praxis umzusetzen und sich eine goldene Nase damit zu verdienen: Im September 2012 in den USA gestartet ließen sie Tinder Anfang 2014 über den Atlantik nach Europa rüberschwappen und sprangen (Zufall oder geniales Timing?) auf die Welle der Olympischen Spiele in Sotschi auf.


Sport-Stars am Flirt-Start

Die Olympioniken, die ohnehin sportiv im Rampenlicht standen, rühren offenbar aus rein privatem Interesse ganz beiläufig, aber dafür äußerst effektiv die Werbetrommel für die Tinder App. Angeblich konnten sie es angeblich kaum erwarten, im olympischen Dorf wischender Weise nach einem heißen Winterflirt zu fanden. Das bescherte der Ami-App so manche fette Schlagzeile: "Tinder gewinnt bei Olympia die Sportlerherzen", titelte etwa Focus.de.

Ob Sie mit einem Wischer gleich Ihr ganzes Leben
umkrempeln, sei mal dahingestellt...
(Bild: Screenshot)


Der Hype um die Tinder App war also entfacht. Und das, ohne dass die Tinder-Gründer Justin Mateen und Sean Rad auch nur einen Cent Marketing hätten stecken müssen - ein viraler Selbstläufer. 2 Millionen User sind laut Unternehmensangabe inzwischen allein hier in Deutschland dabei.


Alles gratis, oder was?

Damit hat Tinder in punkto Beliebtheit ordentlich aufgeholt zu Deutschlands Dating App Nummer 1 LOVOO. Unternehmerisch, also im Hinblick auf eine Monetarisierung der Tinder Nutzer, lief im ersten Jahr erst einmal gar nichts und man hörte schon allerseits die Lästerrufe "Tinder App ohne brauchbares Geschäftsmodell".

Was Sie über die Tinder Dating App schon immer wissen wollten:
Tinder von A-Z getestet

Das soll sich in 2015 nach einem Jahr Warmlaufzeit ändern. Als Premium-Version Tinder Plus wurden im Februar zwei optionale Bezahlfunktionen eingeführt - a) Undo, mit der man seinen letzten ungewollten Wisch nach links rückgängig machen kann und b) die Reisepass-Funktion, die die Umkreissuche an beliebigen Standorten erlaubt.

Mach sie süchtig, dann werden sie zahlen

Bild: gotinder.com
Im Prinzip eine kluge Strategie: Mach zuerst den Kunden willig, und dann zieh ihm die Kohle aus der Tasche. Bloß: Die Zusatzfunktionen sind optional und nüchtern betrachtet für den Großteil aller Tinder-Flirter so nützlich wie ein Kropf. Und so prophezeien auch Analysten wie Morgan Stanley, dass wahrscheinlich nicht mehr als fünf bis sechs Prozent der Tinder-Nutzer bereit sind, für eine Premium-Version zu zahlen.

Erfolgsversprechend wäre eine Tinder Plus Premium-Variante wohl nur in Kombination mit einer drastischen Einschränkung des verfügbaren Tageskontingents an Wischbewegungen - 50 mal Wischen, und wer mehr will, kann sich Wisch-Creditpakete kaufen. Das würde vielleicht funktionieren, denn wer einmal im Tinderwischtrance ist, muss einfach weitermachen.


Ultima ratio: die Werbung 

Falls dann die User auf die Barrikaden gehen sollten oder - schlimmer noch - ein neuer Tinder-Klon am Horizont auftaucht oder die Tinder-User zu LOVOO abwandern? Dann werden die Betreiber sich vielleicht auf eine erste Werbekampagne stürzen - Vorgespräche und Pläne soll es schon gegeben haben…