Montag, Dezember 15, 2014

Tinders Flamme erblasst: Chinesische Dating App brilliert an der Börse

Momo - chinesische Dating App
Online Dating News, Köln ---- Dating Apps boomen. Die bekannteste in unseren Gefilden ist wohl die Tinder-App, die bereits weltweit zehn Millionen Nutzer vorweisen kann. Dabei kann die Dating App pro Nutzer über wahnsinnige 90 Minuten Verweildauer am Tag jubilieren.



Für Investoren bietet Tinder einen enormen Anreiz: So zahlte die Beteiligungsgesellschaft IAC im April diesen Jahres geschätzte 55 Millionen Dollar für 11 Prozent Anteile. Dies führte dazu, dass Tinder mittlerweile eine Marktbewertung von 500 Millionen Dollar erreichte. Barclays spekuliert darauf, dass die Dating-App im kommenden Jahr fast doppelt so viele Nutzer (also 20 Millionen) erreichen wird.

Tinder: Kleine Flamme im Vergleich zu Momo


Doch wie winzig Tinder trotz des Hypes ist, macht der direkte Vergleich mit der führenden chinesischen Dating App „Momo“ deutlich. Momo verzeichnet bislang 180 Millionen Registrierungen, von denen mindestens 60 Millionen Nutzer die Dating App aktiv nutzen.  Dabei vereint Momo klassische Elemente, die bereits aus Social Networks bekannt sind, wie beispielsweise ein detailliertes Profil, Instant Messaging und die Möglichkeit, Gruppen zu gründen.

Momo rocks Wall Street


Und Momo ist Tinder noch in einer weiteren Sache weit voraus: Vergangene Woche debütierte Momo an der Wall Street mit sagenhaftem Erfolg. So lag der Ausgabekurs zu Beginn bei 13,50 Dollar und kletterte bereits am ersten Handelstag auf bis 17 Dollar hinauf. Das bedeutete ein Kursplus von 26 Prozent am 1. Tag.

Durch den Börsengang erlöste Momo 216 Millionen Dollar und erreicht somit eine Bewertung von über 3 Milliarden Dollar. Dabei setzten Anleger jedoch eher weniger auf die momentane Entwicklung des Geschäfts, denn beim Halbjahresumsatz kam Momo auf 14 Millionen Dollar (Nettoverluste dabei von knapp 49 Millionen Dollar). Anleger sehen hier ein immenses Potenzial in der Zukunft. So auch Analystin Ella Ji, die Momo eine aussichtreiche Zukunft in Reichweite stellte. „Momo hat das Potenzial, nicht nur als Dating, sondern auch als Social bzw. Location App wahrgenommen zu werden.“.

Alibaba macht Momo schöne Augen


Nicht außer Acht sollte man dabei das Alibaba-Investment in Momo. Satte 20 Prozent Beteiligung hat der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba. Alilbaba hat bislang kein eigenes soziales Netzwerk, dies ist nur ein Grund warum Firmenchef Jack Ma über eine Aufstockung der Anteile an Momo nachdenkt.

Von grauen Herren und der verlorenen Zeit


Ein bisschen Ironie sei uns gegönnt:
Bei Momo denken wir zuerst an den gleichnamigen Roman von Michael Ende, der mit sieben Millionen verkauften Exemplaren das zweiterfolgreichste Buch des Autors war. Dabei trägt das Buch den Untertitel „Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“ und erzählt u.a. von den grauen Herren, die mit fahler grauer Haut, grauen Sakkos, grauen Hüten, grauen Autos und Zigarren aus getrockneter Zeit im Mund, die ganze Stadt beherrschen und alle Menschen zum Zeit sparen anhalten. Dabei werden die Menschen im Endeffekt um ihre Zeit betrogen, denn während sie stetig versuchen, Zeit für später zu sparen, vergessen sie im Moment, im Jetzt zu leben. Vielleicht sollten die chinesischen Entwickler sich für den europäischen Markt einen alternativen Namen überlegen.


Quelle: marketwatch.com