Freitag, Februar 06, 2009

Team SBV auf der idate 2009

Online Dating News, Köln -- 06.02.2009 --

Da es in Deutschland kalt ist und in Florida warm, beschloss das Team SBV, sich zum ersten Mal aufzumachen und die größte Online-Dating-Fachtagung der Welt zu besuchen: die Internet Dating Conference in Miami. Motiviert das 800 US$ Antrittgeld hinzublättern, hatte uns letztendlich der Spruch vom AdultFriendFinder-Chef:

"If you'r not on idate you'r a nobody!"


Von den insgesamt 500 Branchenvertretern kamen die meisten aus den USA, um den rund 40 Vorträgen und zig Produktpräsentationen zu lauschen und kräftig zu networken.

Die deutsche Delegation setzte sich in diesem Jahr aus Vertretern von Parship, be2, FirstAffair, Google, uns und der Firma Toksta zusammen, die ihren Video-fähigen Instant Messenger dort vorstellte.

Die USA ist Deutschland ja in Sachen "Internet" und "Online Dating" bekanntermaßen um ein paar Jahre voraus. Darum wollten wir natürlich gerne wissen, was drüben gerade heiß diskutiert wird, um es dann nach "Good Old Germany" via Blog zu bringen.



Der Umsatz rockt weiter und es geht noch mehr

Mit rund 890 Mio. US$ in 2007 und wohl 1,2 Mrd. US$ in 2009 wächst der Branchenumsatz konstant weiter. Und bietet noch so viel Luft nach oben, denn bisher zahlen kaum 5 Millionen der über 50 Millionen Singles in den USA. Der Umsatz pro Einwohner liegt bei über 3,- Euro, während Deutschland mit weniger als 2,- Euro weit hinterherhinkt. Die rosigen Zeiten kommen also noch.

Kostenlose Singlebörsen

Von 2006 auf 2008 kamen zwar immer mehr Nischenanbieter auf den Markt, aber in Punkto „Traffic“ kommen alle zusammen nach wie vor auf rund 20%. Der Traffic-Anteil der kostenlosen Singlebörsen stieg hingegen signifikant von 8% auf 24%. Führende „For-Free-Player“ sind plentyoffish, hotornot und okcupid. Wir erwarten eine ähnliche Entwicklung auch in DE, wo Finya, lablue und jappy kräftig zulegen konnten.

"Adult Dating" und "Casual Dating"
In den USA wird differenziert zwischen „Adult-Dating“ und „Casual-Dating“. Adult deckt Porno, Webcam & Co. ab, wie man es z.B. beim AdultFriendFinder finden kann. Casual hingegen bietet dem Nutzer wirkliche Chancen auf schnellen Sex. Führend sind hier fling.com, onlinebootiecall und ashleymadison.com.

"Webcam Dating"

Webcam-Dating erlebt zur Zeit eine echte Wiedergeburt. Insbesondere Frauen möchten zunehmend das Gegenüber mal gestikulieren gesehen haben, um zu wissen, auf wen man sich einlässt. Die Gefahr , dass die „Chemie“ beim ersten Treffen nicht stimmt oder dass der andere ein Fake ist, lässt sich nämlich um ungefähr 90% reduizieren.

Als Datingportal muss man sich aber darüber im Klaren sein, dass viele User den Videochat generell ablehnen und einen echten anreizlastigen Kontext benötigen, um einzusteigen. Wen’s interessiert, der sollte mal einen Blick auf woome.com werfen – der große Bruder vom einheimischen KissnoFrog.

"iphone-Dating"
Nächster Trend: Online-Dating per iphone. Bald hat jeder eines! Es wird in spätestens 2 Jahren zum guten Ton gehören, dass sich eine gute Online-Dating-Seite mobil besonders einfach bedienen lässt.

Interessante Dating-Zulieferer

oculusai kann die manuelle Fotoprüfung (echter Single, Brad Pitt, Gruppenbild oder Pimmel?) zu 95% plus X automatisieren und ist damit insbesondere für große Plattformen eine tolle Möglichkeit, um diesen zeitaufwändigen Schritt schneller und kostengünstiger zu gestalten. Dann muss man das nicht mehr nach Marokko auslagern, wie es beispielsweise Meetic macht…

WhiteLabelDating ist mit 13 Mio. Umsatz der Marktführer in Sachen „Kauf Dir eine Domain und bewerbe dann unsere fertige Plattform“. DNA/Gen-Dating wurde zwar präsentiert, ist aber wieder mal eher etwas für den US-Markt (wie schon bei den automatisierten Backgroundchecks…)

Verbesserung der Performance

Letztlich geht’s beim Online-Dating darum, Besucherströme in Geldströme umzuwandeln. Dabei gilt es, die einzelnen Prozessschritte zu optimieren. Auf diesem Gebiet ist die IDATE 2009 bei Level 2 oder 3 angekommen.

Vor einigen Jahren hieß „Geotargeting“ beispielsweise, dass man Leute mit „Heiße Frauen aus Bargteheide“ lockte. Heute ist man so weit, dass Geotargeting z.B. die Reihenfolge beeinflusst, in der dem User bei einer Suche Profile präsentiert werden (In Miami dickere Brüste als in Chicago zeigen!).

Und warum muss man beim „Expire“-Datum bei so vielen Kreditkarten-Zahlprozessen erst mühsam „06“ in „Juni“ umrechnen?

Wie viele Männer bezahlen, um eine tolle Frau anzubaggern? Viele! Und haben Sie sich jemals darum gekümmert, wie es einer Frau bei Ihnen ergeht? Wie sie ihre Plattform nutzt? Ob sie es toll findet, 500 E-Mails pro Tag zu bekommen? Welche Hilfe bekommt sie, um damit klarzukommen? All diese Fragen sind bei vielen Online-Dating-Portalen nie gestellt worden – und das ist ein großes Versäumnis!

Internationalisierung

Internationalisierung ist technisch relativ banal. Die Kunst besteht darin, von Anfang an eine Struktur zu schaffen, die skalierbar ist und genügend Freiraum lässt, um für jeden lokalen Markt separat festlegen zu können, inwieweit eine starke Lokalisierung notwendig ist. Nervig ist die Bandbreite der jeweils relevanten Payment-Systeme.

Läuft das Lastschriftverfahren bald aus?

Stichwort „Payment“: Ab Herbst 2009 soll das ELV („Lastschrift“) in Deutschland abgeschafft werden. Abos gibt’s dann nur noch gegen Original-Unterschrift, munkelt man. Sind Sie dafür gerüstet?

iDate-Fazit

Insgesamt kamen wir zu folgender Meinung bzgl. der iDate: Es ist recht beeindruckend, die Größe und Differenziertheit des US-Datings mal dadurch zu erleben, dass man viele der wichtigen Player auf einem Haufen sieht.

Die Eventorganisation war allerdings eher chaotisch und zu 90% war es auch nur Wasser, mit dem gekocht wurde. „Nice to have“, aber sicher kein „Must“.
Trotzdem vielen Dank an unsere US-Kollegen Mark Brooks (und David Evans)!

P.S.: Marcus Frind von plentyoffish (reichweitenstärkstes kostenloses US-Portal mit 10 Mio Dollar Jahresgewinn) hält sich für den Allergeilsten, wirkt aber ungefähr so sozialkompatibel wie der junge Bill Gates.