Montag, Juni 18, 2007

Stellungnahme zum Umsatz der Dating-Branche

Online Dating News, Köln -- 18.06.2007 --

Wir können uns noch sehr deutlich an die letzten Monate des Jahres 2004 erinnern, denn es waren mit die arbeitintensivsten bei Team SBV: Wir standen kurz vor der Fertigstellung der ersten Auflage unseres Online-Dating-Reports. Trotz der hohen wirtschaftlichen Relevanz, die der Online-Dating-Branche schon damals zugestanden wurde, fehlte es an einer soliden Marktanalyse, die subjektiv spürbare Trends auch quantitativ belegen konnte. Warum gab es noch keine verlässlichen Zahlen, z.B. zum Gesamtumsatz der Branche?

  • Für die systematische Erfassung von Verkäufen der Dienstleistung "Online-Dating" existieren keine Strukturen, wie sie z.B. für Produkte wie CDs oder Computerspiele vorhanden sind.
  • Bis auf sehr wenige Ausnahmen sind Online-Dating-Portale nicht publikationspflichtig und daher nicht genötigt, spannende Kennzahlen zu veröffentlichen.
  • Bis heute haben sich in der Branche keine Standards durchgesetzt. Dadurch verbirgt sich hinter einer Werbeaussage wie "Bei uns finden Sie 100.000 registrierte Singles!" je nach Zählweise des Anbieters Vieles - aber sicherlich nicht 100.000 tatsächlich kontaktierbare Mitglieder.
  • Selbst für den Begriff "Online-Dating-Markt" hatte sich kein eindeutiges Verständnis durchgesetzt.

Auf Basis unserer einzigartigen Positionierung im Markt, dem kontinuierlichen Informationsaustausch mit den relevanten Playern und der intensiven Marktbeobachtung im Rahmen der Testaktivitaten zu singleboersen-vergleich.de haben wir versucht mit dem ODR 2004 die Materie systematisch aufzuarbeiten. Das Feedback war durchweg sehr positiv und so folgten weitere Veröffentlichungen.

Ein Ziel der Online-Dating-Anbieter-Studie 2007 war es unsere Marktdaten noch belastbarer zu machen. Die Studie basiert im Wesentlichen auf einer Primärdaten-Erhebung, die im Zeitraum vom 27.12.2006 bis zum 20.04.2007 durchgeführt wurde und an der immerhin 46 der 63 bedeutendsten Anbieter teilnahmen.

Die ersten Ergebnisse der Studie wurden in unserer Pressemitteilung "Online-Dating-Branche knackt 100 Mio. Euro Jahresumsatz" am 23.5. diesen Jahres veröffentlicht.

Für Verwirrung sorgte kurz danach die Veröffentlichung der BITKOM mit dem Titel "Deutsche geben 85 Millionen Euro für Online-Singlebörsen aus", die von diversen Newsseiten 1:1 übernommen wurde. Grundlage für die Angaben ist eine Erhebung des Marktforschungsinstituts Jupiter Research.

Die Presse, Dating-Experten und auch einige Dating-Anbieter waren von den Abweichungen der BITCOM überrascht und so hatten wir eine Menge Telefonarbeit zu verrichten. Die Verwirrung wurde noch größer, als die Leser der Pressemitteilung realisierten, dass der von BITKOM verkündete Branchenumsatz nicht 85 Mio. Euro für 2006 betrug, wie die meisten Leser beim Titel der Mitteilung folgerten (übrigens auch wir), sondern sogar nur 65,6 Mio. Euro. Die 84,5 Mio. Euro sind die von Jupiter prognostizierte Umsatzahl für das laufende Jahr 2007.

Der Titel sorgte dafür, dass uns in der allgemeinen Aufregung gar nicht auffiel, dass diese Zahlen ein alter Hut sind, die wir ja schon lange kennen. Denn bereits am 28.02.2007 wies match.com im Rahmen einer Pressemitteilung auf diese Zahlen von Jupiter hin, die wir damals wie folgt kommentierten:

Die Zahlen von Jupiter für Deutschland halten wir für definitiv zu niedrig. In unserem Online Dating Report 2005 hatten wir für 2005 schon die Umsatzgröße von 76 Millionen Euro ermittelt. Für das Jahr 2006 fassen wir gerade die relevanten Größen zusammen und werden sie demnächst veröffentlichen. Wir gehen aber von mindestens 100 Millionen Euro in 2006 aus.

Da wir mehrfach zu diesen erheblichen Differenzen betreffend der Größe des Dating-Marktes gefragt wurden, versuchen wir hiermit etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Das erste Problem sehen wir in der Abgrenzung des Marktes. Wir definieren "Online Dating" als "internetbasiertes zwischenmenschliches Kontakttknüpfen mit dem Ziel der Etablierung einer erotisch-amourösen Beziehung" (ODAS 2007, S.10). Daher wurden die Umsätze folgender Dating-Anbieter bei der Ermittlung des Dating-Branchenumsatz berücksichtigt:

  • Kontaktanzeigen-Portale
  • Internetbasierte Partnervermittlungen
  • Adult-Dating-Angebote (Sexkontakt-Portale und Seitensprung-Agenturen)
  • Nischen-Portale

SMS-Dating-Portale, Speeddating und klassische Partnervermittlungen mit Webseite gingen dagegen nicht mit in die Berechnung ein

Wie Jupiter den Markt für das Online Dating definiert ist für uns leider nicht genau zu ersehen, denn das "Wording" der Pressemitteilung ist nicht präzise. Einmal bezieht sich Jupiter auf "Singlebörsen" einmal auf "Online Dating", was in unseren Augen einen gravierenden Unterschied darstellt. "Bei einer Nachfrage bei der BITKOM konnten wir nur in Erfahrung bringen, dass der Bereich "Adult-Dating" ausgeklammert wurde.

Würde es explizit nur um die Umsatzzahlen der "Singlebörsen" gehen, dann lägen beide Studien gar nicht so weit auseinander und wir mit 57,5 Millionen Euro Umsatz sogar niedriger als Jupiter.

Geht es aber tatsächlich um "Online-Dating-Umsätze" bereinigt um die des "Adult Dating", ist die Differenz beider Studien beträchtlich. Den 66 Mio. Euro von Jupiter stehen dann unsere 105 Mio Euro gegenüber. Wobei wir betonen, dass unsere Zahlen absolut konservativ sind.

Die Erhebungsmethode von Jupiter wird leider nicht weiter dargestellt. Wir wissen nur, dass es sich um eine Konsumentenbefragung handelt. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, befragt Jupiter in den USA rund 2500 Konsumenten. In Europa bzw in Deutschland werden es dementsprechend weniger sein. Ob diese Befragung damit wirklich repräsentativ genug ist um den Umsatz der Dating-Branche abzubilden, stellen wir zumindest in Frage.

Denn auch die Werbeeinnahmen der Anbieter können bei einer Konsumentenbefragung nicht ermittelt werden. Diese generieren laut Angaben der Anbieter aber immerhin 10 Prozent ihres Jahresumsatz, wie unserer Studie herausfand.

Im Jahre 2006 machte sich bei den Singlebörsen und auch bei den Partnervermittlung im Umsatz erheblich bemerkbar, dass man größtenteils von einem "Fixer Zeitraum"-Preismodell auf ein "Abo-Modell" mit automatischer Vertragsverlängerung umgestellt hatte. Dieser Effekt wird sich übrigens bis in 2007 bemerkbar machen. Wir wissen aus zahlreichen Zuschriften, dass sich ein großter Teil der Konsumenten, dessen gar nicht bewusst ist und zum Teil noch gar nicht bemerkt hat, dass Folgegebühren vom Konto abgebucht werden. Auch ein Punkt, der die Ergebnisse einer Konsumentenbefragung nicht belastbarer macht.

Die Welt am Sonntag veröffentlichte übrigens am 4.6.2007 folgende Zahlen, die die Anbieter selbst angaben:

  • Vorraussichtlicher Umsatz Dating Cafe in 2007 1,6 Mio. Euro
  • Umsatz Elitepartner in 2006 5 Mio. Euro
  • Umsatz PARSHIP in 2006 20-30 Mio. Euro

Wir haben uns zur absoluten Verschwiegenheit bezüglich der Umsatzzahlen einzelner Anbieter verpflichtet und werden uns deshalb natürlich diesbezüglich nicht äußern.

Als Fazit nur soviel : Die 66 Mio. Euro erreicht man beim Addieren der Top-Player schon recht zügig. Und gerade in der zweiten Reihe gibt es jede Menge Portale, die in 2006 zwischen 1 und 3 Mio. Euro erwirtschafteten.