Freitag, September 01, 2006

Datingportal verliert Klage gegen Google

Online Dating News, Hamburg -- 31.08.2006 -- Die niederländische Dating-Plattform Farmdate.nl hat die Gerichtsverhandlung gegen den Suchdienst Google verloren. Auslöser des Rechtstreits war die Einblendung von AdWords für Sex-Webseiten, die erschien, sobald jemand bei Google nach der Singlebörse für Landwirte suchte (z.B. durch Eingabe von "farm date").

Der Portal-Besitzer Pieter Bosch fürchtete um den guten Ruf der Datingseite und sah einen starken Imageschaden durch die eingeblendeten „Sex-Ads". Ziel der Klage war die Einrichtung eines Filters, der die Anzeigen verhindert, wenn nach dem Unternehmen bzw. den Keywords "farm date" gesucht wird.

Ein Gericht in Amsterdam hat die Klage nun abgewiesen, da die Wörter "farm" und "date" zu allgemein sind, um einen Exklusivanspruch für Farmdate zu begründen. Ähnlich hätten wohl auch deutsche Gerichte entschieden.


(Wenn eine Firma einen Markenschutz nachweisen kann, so blendet Google bei Anfrage des Unternehmens übrigens sofort alle anderen Werbungen aus. )

Dass Farmdate die Anzeige von Sex-Ads neben den eigenen Suchtreffern als Imageschädigung empfindet, halten wir für durchaus nachvollziehbar - dass die "Schuld" hierfür nicht bei Google gesehen wird, ebenfalls. Das ist wohl eine System-inhärente Problematik...


Wir fragen uns aber, als wie starke Imageschädigung es Dating-Portale wie FriendScout24, Parship & Co. wohl empfinden, wenn sie irgendwann bemerken, auf welchen Sedo-Parking-Domains sie via Google AdSense angezeigt werden.

Vorab für weniger kundige Leser einige Infos zum Google-AdSense-Programm: Aktiviert ein AdWords-Inserent die Funktion "Content-Netzwerk", so werden seine Inserate nicht nur als Suchergebnisse bei Google , sondern zusätzlich auch auf "thematisch passenden Webseiten" angezeigt. Die Google AdSense-Programmrichtlinien geben sinngemäß u.a. folgende Bedingungen vor für diejenigen, die sich durch die Einblendung von Google-Werbung etwas dazuverdienen wollen:

  • Google-Anzeigen dürfen nicht auf Seiten ohne weiteren Content platziert werden.
  • Google-Anzeigen und Google-Suchfelder dürfen nicht auf Domain-Parking-Websites, Pop-Ups oder Pop-Unders oder in E-Mails platziert werden.
  • Google-Anzeigen dürfen nicht auf Seiten gezeigt werden, die gezielt zu Werbezwecken erstellt wurden, unabhängig davon, ob der Content dieser Seiten relevant ist oder nicht.
Einer der vermutlich größten AdSense-Verteiler im deutschsprachigen Raum ist Sedo, ein Domainhändler, der auf Tausenden von zum Verkauf stehenden Sites offensichtlich gegen einige der o.a. "Grundregeln" verstoßen darf ( z.B. fehlt i.d.R. "weiterer Content" und es sind eben "Parking-Websites").

Wird ein Datingportal z.B. auf einer Parking-Domain wie "tolle-datingseiten.de" (haben wir uns ausgedacht) angezeigt, kann das unserer Meinung nach trotzdem für alle Beteiligten sinnvoll sein. Wir haben aber diverse mit Dating-AdWords bestückte Sedo-Parking-Domains gefunden, die wir als ziemlich grenzwertig empfanden. Dafür im Folgenden einige Beispiele:

sterbehilfe.de: Sie haben sich nicht verlesen! Neben den Begriffen "aktive Sterbehilfe", "in Würde sterben" und "Hospiz" finden sich auch die Begriffe "Sexkontakte Erotik" und "Erotik". Abgesehen davon, dass wir das etwas geschmacklos finden, dürfte wohl kaum anzunehmen sein, dass ein nach Informationen zum Thema "Sterbehilfe" suchender User nebenbei an einem schnellen Date zwecks gegenseitigem Austausch körperlicher Flüssigkeiten interessiert ist.





pisser.de: "Flirten Kontakte" ist scheinbar die Begriffskombi mit der größten Themenrelevanz zum Namen der Domain. Vielleicht deshalb werden Dating-Anzeigen direkt auf der Startseite angezeigt. Ob u.a. FriendScout24 und ilove hier wirklich mit ihrem guten Namen bezahlen wollen, "not amused" sind, oder sich dem Sprachjargon der Seite entsprechend "angepisst" fühlen, entzieht sich unserer Kenntnis...





arschlecken.de: Es wäre durchaus interessant zu erfahren, ob die Anhänger ausgefallener oraler Liebestechniken eine besonders interessante Zielgruppe für Datingseiten darstellen! Merkwürdig aber, weshalb hier nicht das gesamte Kunden-Potenzial erschlossen wird: Wer bei Google nach "arschlecken" sucht, bekommt keine AdWords zu sehen. Darf man das bei Google nicht buchen? Oder haben FriendScout24 & Co. hier geschlafen?

Aber diese Parking-Domain hat noch eine weitere Überraschung für den Besucher parat. Dem POP-UP-Verbot für Seiten mit AdSense begegnet die Seite mit der schon im Namen erkennbaren Auffassung gegenüber Restriktionen ;-): Es öffnet sich ein POP-UP mit dem Angebot einer "Weather-Bar", das offenbar von casalemdia.com angeboten wird.
Zu casalemedia und dem Thema "merkwürdige Toolbars" hat man übrigens schnell Folgendes ergooglt:
http://www.webhelper4u.com/scams/spywarestromer.html
Ben Edelman, Harvard Universität: What's So Hot About Hotbar?
Howard University: Hotbar Adware/Spyware


vergewaltigung.d: Auch hier der themenrelevanten Link zu Ads für "Sexkontakte Erotik" auf der Startseite - vielleicht frei nach dem Motto: "Cool down buddy, bevor Sie sich straffällig machen, schauen Sie erstmal, ob Sie nicht was Williges bei uns finden!" Oder für betroffene Damen: "Beim letzten mal Pech gehabt mit dem Blinddate? Bei uns finden Sie seröse Sexkontakte..."

Auf eine solche Domain gehören unserer Meinung nach nur Infos zu Strafrecht, Therapie, Betreuung, Hilfegruppen o. ä. Es sollte doch möglich sein, dass Redakteure bei der Aufnahme einer Domain einen "no sex-ads-filter" aktivieren. Gibt man "vergewaltigung" bei Google ein, so bekommt man momentan auch nur einen Anwalt für Strafrecht bei den AdWords angezeigt und keine Anbieter von Sexkontakten.


Die kleine Reise geht noch weiter: Wir kommen zum Thema "Sodomie" - strafbar ist hier übrigens die Verbreitung von Schriften, die dieses Thema zum Inhalt haben (Verbreitung von Suchergebnissen werden im Kontext nicht erwähnt, aber das Gesetz hat auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel: §184 Abs. 3 StGB).

sexmittieren.de : Wir glauben kaum, dass die Macher der Werbung von kontakte-xxl.de "Kontake mal anders. Wer private Kontakte sucht, ist hier genau richtig" sich vorstellen konnten, wie ihr Text gedeutet werden kann, wenn dieser auf sexmittieren.de von der Startseite prangt...



tier-porno.de: Auch hier dürfte so mancher Betreiber eines Datingportals Probleme beim Schließen seiner Beißleiste bekommen, wenn er sich auf einer Seite entdeckt, die an Menschen gerichtet ist, welche dabei zusehen möchten, wie Miere oder Tenschen gezeugt werden...

Fazit:

  • Wir wissen nicht, welche moralischen Ansprüche welches Datingportal an Google/Sedo stellt, finden es aber befremdlich, dass Google bei der Auslieferung von AdWords auf der eigenen Seite offenbar höhere Maßstäbe anlegt als bei der Anzeigen-Auslieferung über Partner (z.B. Sex-Ads im Kontext "vergewaltigung").
  • Google bietet seinen AdWords-Kunden ein Tool, mit dem man einstellen kann, dass konkrete AdSense-Seiten nicht mit der eigenen Werbung bestückt werden sollen. Leider scheint Google aber keine Möglichkeit zu bieten, die den AdWords-Kunden anzeigt, um welche AdSense-Partnern es sich denn überhaupt handelt...
  • Was soll das Datingportal mit hohen moralischen Ansprüchen nun machen? Sedo-Traffic komplett abbestellen und damit auch auf leckeren & sinnvollen Traffic verzichten? Oder lieber laufen lassen und "mit den Geistern leben, die man rief"?