Samstag, August 12, 2006

Verworrene PARSHIP.at-Studie

Online Dating News, Hamburg -- 12.08.2006 -- Natürlich berichten wir immer gerne über Studien, die den Erfolgszug des Online-Dating belegen und näher analysieren. Deswegen weckte der Teaser einer Pressemitteilung über eine "repräsentative Studie" der Online-Partneragentur PARSHIP.at zum Thema "Partnersuche in Österreich" sofort unser Interesse. Wir zitieren aus der Pressemitteilung:

70% der österreichischen Singles wünschen sich einen Partner

Aktuelle Studie der Online-Partneragentur PARSHIP.at: Vor allem Männer und die Generation 50+ gehen aktiv auf Partnersuche – Das Internet entpuppt sich dabei als geeignetes Hilfsinstrument.
Allein der Title macht neugierig und so haben wir uns die Studie einmal näher angesehen:

Für die aktuelle Studie befragte das Online Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com 1.000 webaktive Österreicherinnen und Österreicher im Alter von 14-69 Jahren. Die Betonung liegt auf "webaktiv", was nichts anderes bedeutet als "im Internet aktiv". Man kann also keinesfalls von "österreichischen Singles" sprechen, sondern nur von österreichischen Singles, die das Internet nutzen".

Und selbst für die Gruppe der webaktiven österreichischen Singles kann die Studie unserer Meinung nach kaum den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein. Denn von den 1.000 Befragten sind nur 284 alleinstehend, also zur wirklich relevanten Zielgruppe gehörend. Von diesen 284 Singles sind nur 62 aktiv auf Partnersuche, 141 hätten zwar gerne einen Partner, lassen aber alles auf sich zu kommen, und 81 Befragte sind momentan nicht auf Partnersuche...

Desweiteren kritisieren wir die Einbeziehung von Personen unter 18 Jahren, die für das Online-Dating zum Befragungszeitpunkt keine Rolle spielen (schon gar nicht im Hinblick auf die Zielgruppe von Parship, die eigentlich erst bei 30 Jahren beginnt). Diese Altersgruppe verwässert in manchen Punkten das Ergebnis. Leider gibt es nur eine Angabe bezüglich der Anzahl der Altersgruppe "14-19" Jahre mit 114 Personen. Würde man die (leider unbekannte) Anzahl der Singles unter 18 Jahren von den 284 Singles abziehen, so dürfte die relevante Gruppe der Singles weiter von einer Größenordnung entfernt bleiben, die man als repräsentativ bezeichnen könnte.

Die Studie verwirrt, weil sie in den weitergehenden Untersuchungen verschiedene Gruppen als Basis auswählt. So bezieht man sich bei der Analyse der Altersgruppen unter den aktiv Partnersuchenden (Folie 19) auf die Gruppe der Singles (n=284). Die Anzahl der Singles, die aktiv auf Partnersuche sind, wird hier mit (wir haben bei 10 % von 284 uns erlaubt abzurunden) mit 28 angegeben. Die Folie trägt übrigens nicht zu unrecht den Titel: "Je jünger, desto aktiver sind Singles auf der Suche" - das passt nur leider überhaupt nicht zu der "50plus-Männer besonders aktiv"-Überschrift...

Bei einigen Ergebnissen nimmt die Studie später unverständlicher Weise die Gruppe der "Respondenten auf Partnersuche" als Basis zugrunde. Diese wird mit 263 angegeben. Darüber müssen wir uns dann doch sehr wundern. Wieso 263? Man bezieht sich hier anscheinend auf die 70 Personen, die angegeben haben, aktiv auf Partnersuche zu sein , zuzüglich der 193 Befragten, die angegeben haben, sich einen (neuen!) Partner zu wünschen, aber alles auf sich zukommen lassen. Wieso hat man sich jetzt plötzlich für diese Basis entschieden?

Wahrscheinlich weil die Anzahl der Partnersuchenden unter der Gruppe der Singles mit 203 statistisch noch uninteressanter geworden wäre. Uns fällt sonst kein Grund ein, weshalb die 60 Befragten, die in einer festen Beziehung leben, aber trotzdem suchen, jetzt auf einmal auftauchen.

Wahrscheinlich wäre unter den alleinstehenden Partnersuchenden die Altersgruppe der über 50-Jährigen sonst komplett rausgefallen. Nicht umsonst ist in der Grafik (Folie 28) der Altersgruppe 50-69 Jahre in grau die Anmerkung "geringe Fallzahl" hinterlegt. Diese Grafik dann dreisterweise auch noch mit der Überschrift "Die Generation 50+ geht aktiv auf die Suche" zu betiteln, können wir bei dieser Art der Statistik-Kosmetik nun wirklich nicht mehr tolerieren. Dann hätte man nämlich entweder die 70 von 1000 Befragten, oder die 62 Singles als Basis nehmen müssen, die angegeben haben, einen Partner zu suchen.

Aktiv suchen kann man wohl kaum gleichsetzen, mit "sich einen Partner zu wünschen, aber alles auf sich zukommen zu lassen". Aber hier hätte die Gruppe 50+ zahlenmäßig wahrscheinlich gar keine Berücksichtigung mehr gefunden. Der Titel " Die Generation 50+ geht aktiv auf Partnersuche" entbehrt also im Zusammenhang mit dieser Studie schlicht jeglicher Grundlage.