Dienstag, August 01, 2006

Auch schon aufgewacht: frauenportal.net

Online Dating News, Hamburg -- 01.08.2006 -- Aus unerklärlichen Gründen fühlte sich www.frauenportal.net ("Portal für die selbstbewusste und moderne Frau") in der Laune, am 28.07.2006 folgende Pressemitteilung zu veröffentlichen:

ZITAT:


SPIEL MIT DER LIEBE - ONLINE-PARTNER-SERVICES UND IHRE TRICKS
Online-Partner-Services sind außerordentlich beliebt, leiden zudem nicht unter dem muffigen Image, das Partnervermittlungen anhängt. Sie arbeiteten aber mit ähnlichen Tricks, behauptet ein Kläger in Kalifornien: Er brachte mit Match.com einen Branchenriesen vor Gericht. Das Unternehmen genießt einen guten Ruf: Mit Dependancen in 32 Ländern, Webseiten in 18 Sprachen, 15 Millionen Mitgliedern in den USA und einer Million in Deutschland ist Match.com laut Eigenwerbung "in Europa und weltweit die Nummer eins im Online-Dating". Im Vergleichstest der Stiftung Warentest wurde Match erst im Oktober Sieger.

Wie alle Online-Partnerbörsen präsentiert sich Match jung und unkompliziert, verweist auf seinen "einfachen, sicheren und qualitativ hochwertigen Service, neue Menschen kennen zu lernen". Es ist auch solchen Online-Partnervermittlungen, die sich selbst lieber "Dating-Services" nennen, geschuldet, dass die einst als letzter Strohhalm für Mauerblümchen und Einsiedler verpönte Branche in den letzten zehn Jahren eine ganz erhebliche Image-Aufwertung erfahren hat. Denn vermittelte Kontakte sind für die jüngeren Generationen wieder etwas völlig Normales: Geflirtet wird nicht nur Auge in Auge, sondern oft und gern vorab schon per SMS, Messenger oder E-Mail. Auch jemanden zunächst "elektronisch" kennen zu lernen ist Alltag.

Gute Zeiten für Partnerbörsen, die wie eh und je versprechen, zu jedem Topf den passenden Deckel zu suchen. Dabei finden sie tatsächlich viele (Match-Eigenwerbung: "Wir haben weltweit doppelt so viele Hochzeiten angeregt wie andere Websites"), mitunter aber dauert so etwas auch seine Zeit. Und das ist auch gut so, zumindest betriebswirtschaftlich gesehen, denn anderenfalls würden Partnerbörsen auch kein Geschäft machen: Sie bringen potentielle Partner gegen Zahlung zusammen; dabei konkurrieren zwei Modelle. Entweder der Suchende bezahlt pauschal für eine definierte Zahl von Kontaktversuchen, oder er bezahlt in regelmäßigen Abständen für seine "Mitgliedschaft" im Dateibestand. Schnell erfolgreich fündige Kunden sind für die Börsen von erheblichem werblichen Wert, aber nur erfolglose Kunden bringen wirklich Umsatz.

Bezahlte Köder

Von jeher haben darum die schwarzen Schafe der Branche kriminelle Energie entwickelt, ihre Kundschaft möglichst lang zufrieden aber erfolglos bei der Stange zu halten. Das Rezept: Man bringt die Suchenden mit viel versprechenden Dates zusammen, aus denen sich dann aber leider nichts entwickelt. Der Kunde sieht, die Agentur bemüht sich - und führt das Scheitern eher auf sich zurück. Eine fiese Masche, so alt wie die Branche. *1)

Zu diesem Zweck beschäftigten die Pfuscher von jeher professionelle potentielle Partner, um ihren Kunden Tätigkeit vorzutäuschen (und ihn oder sie finanziell zu erleichtern). Und genauso, behauptet ein Kläger vor einem Gericht in Kalifornien, sehe das auch bei den Online-Börsen aus: Matthew Evans behauptet, er sei von der Online-Tauschbörse Match.com nach diesem Schema betrogen worden.

Der Klage zufolge beschäftige das Unternehmen Köder-Kontakte (firmenintern "Ringer" oder "Date-Bait" genannt), die dafür bezahlt würden, Mitglieder mit E-Mails und gelegentlichen Treffen bei Laune zu halten. Typischerweise setzten diese falschen Dates zu einem Zeitpunkt ein, wenn die Erneuerung des Abonnements anstehe.

Das alles will Evans durch einen auf diese Weise vermittelten Kontakt erfahren haben. Die Frau habe ihm das nach mehreren Treffen "gestanden". Ihrer Aussage zufolge kommt jeder "Ringer" auf bis zu 100 Verabredungen im Monat, drei pro Werktag - so etwas nennt man dann wohl einen stressigen Vollzeitjob.
Match.com bestreitet die Vorwürfe: Die Klage sei "ohne jede Grundlage". Das Unternehmen werde mit aller Kraft dagegen angehen. Eine Stellungnahme von Match Deutschland steht noch aus.
QUELLE:
http://www.businessportal24.com/de/a/5654

ZITAT ENDE

Tja, was für ein Musterbeispiel für schlechten Journalismus, selbst die Zeitung mit den 4 Buchstaben recherchiert besser! Wir haben beim frauenportal.net bisher nur Artikel mit einer wesentlich höheren Qualität gefunden, um so mehr vermissen wir hier die offensichtlich fehlende Professionalität bei der Recherche des Artikels.


Wie kann man erstens nur auf die Idee kommen, eine eigene Pressemitteilung zu veröffentlichen, deren Thema schon im November November 2005 um die Welt ging (siehe Artikel: Betrugsvorwürfe gegen match.com und YAHOO! PERSONALS )?

Zweitens wurde schon damals klargestellt, dass die Vorwürfe absolut abstrus sind. Unter anderem versicherte die Dame, die in der Anklageschrift als Mitarbeiterin von Match.com genannt wird, in einer eidesstattlichen Erklärung, dass sie zu keiner Zeit bei Match.com eine Anstellung innehatte, und ebenfalls nie von Match.com bezahlt worden ist, um sich mit Mitgliedern zu treffen (siehe Artikel: Match.com geht gegen die Betrugsvorwürfe in die Offensive ).

zu*1) im Zitat:
Offensichtlich wurde sich seitens frauenportal.net vor dem Verfassen des Artikels in keinster Weise mit dem Thema Online-Dating beschäftigt. Die Thematik, die der/die Autor(in) in *1) beschrieben wurde, trifft auf Singlebörsen wie Match.com nur unzureichend zu. Die Singlebörsen bieten nämlich, wie ein Kontaktanzeigenmarkt, nur die Plattform für Partnersuchende. Anders als bei einer Partnervermittlung wird das Portal nicht an der Anzahl und Qualität von Kontaktvorschlägen gemessen, denn die Mitglieder entscheiden selber, wen sie kontaktieren. Auch wirtschaftlich würde sich die Anstellung von Lockvögeln in diesem Marktsegment bei einem Umsatz von 25 Euro pro Monat kaum rechnen. Diese Betrugsmasche konnte bisher eher bei klassischen Partnervermittlungen beobachtet werden, da hier die Agentur eine bestimmte Anzahl von Kontakten vertraglich garantiert.


Leider werden Lockvögel von unseriösen Online-Dating-Anbietern eingesetzt, aber anders als in dem obigen Artikel beschrieben. Solche Abzock-Portale sind hochglanzmäßig gestylt und die Profile sind zu schön, um wahr zu sein. Wer die Damen kontaktieren möchte, kann das aber nur via SMS (1,99€). Der Haken: Die Damen sind gar keine Damen. Sie werden von Animateuren gespielt, die in irgendwelchen Hinterhöfen sitzen und versuchen, den Mann "bei der Stange" zu halten. Die meisten SMS-Kontakt-Portale - auch bekannt aus TV-Spots zu später Stunde - sind dabei sogar noch rechtlich auf der sicheren Seite, denn sie haben sich in den AGBs abgesichert. Irgendwo im Kleingedruckten findet man meist einen zumindest ählich formulierten Paragraph: "Dem Nutzer ist bekannt, dass Animateure eingesetzt werden, die sich wahlweise als Frau oder Mann ausgeben können, um die Mitglieder des Portals zu unterhalten."

Unsere erst kürzlich erschiene Online-Dating-Nutzer-Studie belegt, dass Frauen von dieser Thematik nicht betroffen sind, denn sie stellen meist höhere Ansprüche an eine Singlebörse und wären durch animierende Darstellungen von Waschbrett-Models nicht zu überzeugen. Weibliche Online-Dater hingegen leiden eher unter real existierenden Männern, die in der Online-Welt mit falschen Karten spielen. 54,3% der weiblichen User mussten sich schon mit Männern herumärgern, die online noch völlig andere Absichten vorgetäuscht hatten, und 34,1% trafen im Blinddate auf Männer, die schlicht mit falschen Fakten geprahlt hatten. Siehe dazu auch: Online-Dating-Nutzer verärgert über Karteileichen und Fakes)

Wir zeigen selbst immer wieder verschiedene negative Aspekte des Online-Dating auf. Wer aber kritisert, sollte sich mit dem Thema wenigstens auseinandersetzen. Das erwarten wir auch von dem oder der Autor(in) einer Pressemitteilung - erst recht, wenn er/sie selbstbewusste und moderne Frauen informieren möchte. Vieleicht sollte sich der/die Verfasser(in) einfach mal selbst bei einer Singlebörse anmelden, eine durchaus oft praktizierte Vorgehensweise bei modernen, investigativen Journalisten. Bei vielen Portalen ist die Mitgliedschaft für Frauen übrigens im Gegensatz zu Männern kostenfrei. Vieleicht wär dies mal ein Anstoss zum Artikel-Verfassen, ob dies nicht gegen die Richtlinie 2004/113/EG des Rates vom 13. Dezember 2004 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen (ABl. Nr. L 373 vom 21/12/2004 S. 0037 - 0043), kurz: Gleichbehandlungs-Richtlinie wegen des Geschlechts außerhalb der Arbeitswelt, verstösstt;-)))