Freitag, Oktober 14, 2005

Meetic geht an die Börse


Ftd.de (Heimo Fischer) ,Paris -- 13.10.2005 -- Die Anteilsscheine der französischen Internet-Kontaktbörse Meetic haben am Donnerstag ihr Debüt am Aktienmarkt. Der Ausgabepreis für die Titel beträgt nach Angaben der Mehrländerbörse Euronext 22,30 Euro je Aktie. Dem Unternehmen fließen damit rund 89 Mio. Euro zu. Die Börsenkapitalisierung beläuft sich zunächst auf 357 Mio. Euro. Das Angebot war siebenfach überzeichnet. Der mit Spannung erwartete Börsengang ist zum einen ein Zeichen für das wieder erwachende Interesse an Internetwerten, das schon bei Aktien der US-Suchmaschine Google deutlich geworden ist. Zugleich zeigt die Erstemission den Expansionsdrang von Flirt- und Singlebörsen. In den USA verzeichnete der Markt für Online-Dating im vergangenen Jahr ein Volumen von 400 Mio. $.

Meetic wurde vor vier Jahren gegründet und hat seitdem in Frankreich einen Siegeszug vollzogen. Nach eigenen Angaben gehört das Unternehmen zu den Marktführern in Europa. Meetic ist mit eigenen Websites in 13 Ländern, unter anderem in Deutschland aktiv. Der Marktanteil in Europa beläuft sich auf 24 Prozent.
Das Geld aus der Kapitalerhöhung soll in Übernahmen fließen. "Wir richten uns auf eine Konsolidierungsphase in der Branche ein", sagte Firmenchef Marc Simoncini. Im Gegensatz zu anderen Websites kommen die Einnahmen nur zu rund fünf Prozent aus der Werbung. Den größten Teil zahlen die Abonnenten, deren Zahl sich seit Gründung auf rund 12,4 Millionen beläuft. Im ersten Halbjahr seien pro Tag durchschnittlich 18.000 neue Teilnehmer hinzugekommen. Der Marktanteil in Europa beläuft sich auf 24 Prozent. Dort liegt Meetic vor dem Konkurrenten Match.com. Der Weltmarktführer gehört zur US-Gruppe Interactive Corp des Milliardärs Barry Diller. Meetic unterhält je nach Land Partnerschaften mit mächtigen Internetanbietern wie
Yahoo, Wanadoo oder AOL.
In Frankreich ist Meetic mit Abstand die Nummer eins. Die Hälfte aller Nutzer von Internet-Kontaktbörsen ist dort bei Meetic eingeschrieben. Das Unternehmen rechnet mit einem anhaltenden Kundenzulauf. Die Zahl der Singles in Europa liegt bei rund 100 Millionen. Vor allem die Jüngeren haben immer weniger Hemmungen, über das Internet einen Partner zu suchen. Aus diesem Grund will Meetic sein Angebot ausdehnen. Gedacht ist an eine Website, die speziell für Kunden zwischen 18 und 25 Jahren konzipiert ist. Ein anderes Angebot könnte sich auf Senioren konzentrieren.


Simoncini kein unbeschriebenes Blatt in der Internetbranche. Auf den Websites des Unternehmens können die Nutzer eine Anzeige wahlweise mit Foto aufgeben. Es gibt genaue regionale Abgrenzungen. Interessenten haben dann die Möglichkeit, sich über Internet bei ihren Wunschkandidaten zu melden. Im vergangenen Jahr verkaufte Simoncini acht Prozent seines Unternehmens an den französischen Versicherer
AGF, eine Tochter des Allianz-Konzerns. Simoncini ist kein unbeschriebenes Blatt in der Internetbranche. In der Vergangenheit zeigte er, dass man in dem riskanten Geschäft gutes Geld verdienen kann. Im Jahr 2000 verkaufte er auf dem Höhepunkt der Internetblase sein Portal ifrance für 192 Mio. Euro an den französischen Medienkonzern Vivendi. Den Börsengang begleiten die Société Générale, JP Morgan, Cazenove und Lazard-Ixis. Beraten lässt sich Meetic durch Avenir Finance.