Donnerstag, März 10, 2005

Gebrauchtwarenmarkt der Gefühle

Team SBV, Gummersbach -- 10.03.05 -- Bei unseren Recherechen sind wir auf einen kritischen Artikel von Thomas Blum zum Thema Partnersuche im Netz gestossen, der bei Jungle-World.com - die linke Wochenzeitung - veröffentlicht wurde. Ein Hinterfragen des Themas Online Dating finden wir durchaus legitim und sicherlich sind nicht alle Entwicklungen hier nur positiv zu bewerten. Was der Autor dieses Artikels hier jedoch vom Stapel lässt entbehrt jeglicher Beschreibung, hat jedoch Team SBV zu später Stunde noch höchst amüsiert. Wir möchten hier nur ein paar kurze Zitate aufführen:


...Also suchen sie eine so genannte Partnerbörse oder Flirtbörse auf. Und keiner behaupte, die Wahrheit liege nicht offen zutage. So, wie die Dinge heißen, so sind sie auch. Sie sind ein erbarmungslos wütender Markt, auf den man sich wirft, um sich feilzubieten wie ein Stück warmer Körper und zu hoffen, einen Abnehmer zu finden. In ihrer eigenen bohrenden Verzweiflung und um ihrer eigenen Nichtigkeit nicht gewahr zu werden, tun sie das Würdeloseste: Sie stellen sich ins Netz, auf den Gebrauchtwarenmarkt der Gefühle.

...Die, auf die sie bei ihren Internet-Speed-Dating-Verabredungen treffen, sind ebenso wie sie selbst narzisstische oder desperate, einsame Kreaturen, die keine Zeit haben, sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Und was nach ihrem vermeintlich erfolgreichen Zusammentreffen am Ende bestenfalls übrig bleibt, ist nichts als das mehr oder minder gelungene Ineinanderstecken ihrer Geschlechtswerkzeuge und das armselige »Beieinander zweier übler Gerüche bei Nacht« (Talleyrand-Périgord).

...Die Menschen aber, die derart ihr Liebesleben generalstabsmäßig planen, wissen nichts von der Schönheit des ziellosen Herumflanierens, vom Zauber des Augenblicks. Und daher wird ihnen auch niemals das unfassbar liebreizende Geschöpf im Park auffallen, das, wie von einem alten Meister in die Landschaft hineingemalt, völlig selbstvergessen dahockt, in dieses Buch von Oskar Panizza vertieft ist und sich beim Lesen fortwährend mit einer anmutigen Handbewegung diese in regelmäßigen Zeitabständen herabfallende Haarsträhne aus dem engelsgleichen Gesicht streicht und das, so wollen wir hoffen, nicht gerade auf sein Internet-Date wartet, sondern tatsächlich der ausgestorbenen Kulturtechnik des Lesens nachgeht.


Wer noch mehr lachen möchte sollte den ganzen Artikel lesen. Offen bleiben aber jede Menge fragen: Hat ein Friendscoutler Thomas B. seine Freundin ausgespannt? Hatte er überhaupt schon eine? Hat Thomas B. noch nie etwas von Toleranz gehört oder wieso schreibt er so menschenverachtend? Muss man bewusstseinserweiternde Substanzen nehmen, damit man solche Artikel verfassen kann? Eine Antwort haben wir aber für den lieben Thomas. Die Dame aus dem Park kenne ich. Vorgestern im Chat getroffen, direkt klargemacht und das Buch war nicht von Oskar Panizza... Unter der Umschlagshülle hatte sie den neuesten Top-Seller von Rosamunde Pilcher.